"Ein gutes Umfeld für Kursanstiege"

Michael Lipsch, Manager ING (L) Invest European Real Estate Fonds
Michael Lipsch, Manager ING (L) Invest European Real Estate Fonds

Immobilienaktien zeichnen sich durch ihr attraktives Rendite-Risiko-Profil aus. Im Interview mit fondstrends.ch vergleicht Michael Lipsch, Manager ING (L) Invest European Real Estate Fonds, den europäischen mit dem amerikanischen Markt und erklärt, wieso er derzeit Schweizer Aktien in seinem Fonds hoch gewichtet.

07.03.2012, 07:30 Uhr

Redaktion: anw

Immobilienaktien haben in den letzten paar Monaten schlechter abgeschnitten als der Gesamt-Aktienmarkt. Was war der Hauptgrund dafür?
Michael Lipsch: Der Gesamtmarkt hat seit Beginn dieses Jahres die Immobilienaktien überflügelt, das ist richtig. Im Vergleich zu Obligationen haben sie aber besser abgeschnitten. Dies bestätigt die langfristige Ausrichtung von Immobilien-Investitionen: Sie bieten höhere Erträge als Anleihen, weisen aber tiefere Risiken als Aktien aus anderen Sektoren auf.

Was ist ihr Ausblick für das laufende Jahr?

Für 2012 sind wir optimistisch, zugleich aber auch vorsichtig. Wir gehen zwar von anhaltend tiefen Zinsen aus, betrachten aber zugleich einen Inflationsanstieg als durchaus möglich. Dies ist ein gutes Umfeld für Kursanstiege bei Immobilienaktien. Insbesondere bevorzugen wir europäische Titel, weil sie mit einem attraktiven Abschlag zu den zugrunde liegenden Immobilienvermögen bewertet sind.

Also ist der europäische Immobilienmarkt attraktiver als der amerikanische?

Längerfristig, ja. Die Fundamentaldaten im US-Markt sind zwar entwickelter und gesünder als in Europa. Doch dies wiederspiegelt sich auch in den US-Aktien. Der europäische Markt ist herausfordernder, dürfte sich aber über eine längere Zeitperiode hinweg als attraktiver erweisen.

Sehen Sie punkto Zinsanstieg kein Risiko?
Doch. Steigende Kapitalkosten wären natürlich negativ für die kapitalintensive Anlageklasse.

Sie haben eine hohe Gewichtung an Schweizer Immobilienunternehmen im ING (L) Invest European Real Estate Fonds.
Ja. Letztes Jahr sahen wir grosse Unsicherheiten im europäischen Immobilienmarkt, die vor allem durch die Griechenlandkrise ausgelöst wurden. Investoren suchten nach Sicherheit und platzierten ihr Geld ausserhalb der Eurozone. Als Folge davon profitierten Länder wie die Schweiz, Schweden oder auch Grossbritannien.

Ihre Anlagestrategie basiert auf einem so genannten Cluster-Ansatz. Wie funktioniert dieser genau?

Ganz kurz erklärt wählen wir innerhalb einer Gruppe von Immobilienaktien typischerweise einen, manchmal auch zwei Titel aus, die am besten der aktuellen Marktlage und unserer Beurteilung entsprechen. So erreichen wir ein fokussiertes Portfolio, in welchem auch das Risikomanagement entsprechend zum Zuge kommt. Der Fokus auf eine begrenzte Titelzahl ermöglicht, attraktivere Renditen zu erzielen. Gleichzeitig schwächt man so das Gesamtrisiko.

Der Fonds wurde für seine Performance über drei Jahre mit dem Lipper Fund Award 2012 ausgezeichnet. Was haben Sie besser gemacht als Ihre Mitstreiter?
Das attraktive Risiko-Ertrags-Profil des Fonds hat wesentlich zu dieser Auszeichnung beigetragen. Wenn Sie sich die Fondskennzahlen anschauen, sehen Sie, dass wir während einer langen Periode in der Lage waren, erstklassige Renditen zu erzielen und dabei immer noch das tiefste Risiko – gemessen an der Standardabweichung – hatten.

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