Dollar hält Rating-Herabstufung stand

Johnny Bo Jakobsen, Chief Analyst, Economic Research bei Nordea
Johnny Bo Jakobsen, Chief Analyst, Economic Research bei Nordea

Johnny Bo Jakobsen, Chief Analyst, Economic Research bei Nordea, beantwortet fondstrends.ch fünf Fragen zu den Folgen der Rating-Herabstufung der USA.

19.08.2011, 13:04 Uhr

Redaktion: hes

Wie wahrscheinlich ist es, dass nach S&P nun auch die anderen Ratingagenturen, insbesondere Moody's und Fitch, das Rating der USA herabsetzen?
Johnny Bo Jakobsen: Nach der Anhebung der Schuldenobergrenze bestätigten sowohl Moody's als auch Fitch ihre AAA-Ratings für US-Staatsanleihen. Daher erwarten wir kurzfristig keine Herabstufungen von US-Staatsanleihen seitens dieser Agenturen.

Werden Zwangsverkäufe zu einem grossen Problem? Insbesondere im Repo-Markt, da Geldmarktfonds häufig AAA-Staatsanleihen als Sicherheiten für Repo-Transaktionen halten müssen.
S&P hat das kurzfristige Rating der USA auf dem höchstmöglichen Niveau (A-1+) bestätigt, wenn auch mit negativer Tendenz, so dass keine Auswirkungen auf Geldmarktfonds zu erwarten sind.

Seit dem EU-Gipfel vom 21. Juli haben sich AAA-Anleihen des Euroraums extrem stark entwickelt. Das lag insbesondere an den Aktivitäten von US-Geldmarktfonds, generell aber an der weltweiten Risikoaversion. Wenn also die US-Geldmarktfonds keine US-Staatsanleihen halten könnten, hätten wir bereits jetzt Zwangsverkäufe gesehen. Hinzu kommt, dass Anlageausschüsse die Anlagerichtlinien bis zu einem gewissen Grad ändern können, und möglicherweise greifen viele Fonds, wenn nötig, zu diesem Mittel, um ihre Positionen zu halten. Da ausserdem lediglich S&P das Rating gesenkt hat, sind die Verwerfungen wahrscheinlich geringer, als wenn sich mehrere Agenturen zu diesem Schritt entschlossen hätten. Kurz: Wir erwarten keine wesentlichen Zwangsverkäufe infolge der S&P-Herabstufung.

Wie sehen Sie den US-Dollar, besonders gegenüber Schwellenländerwährungen?
Es überrascht uns nicht, dass sich der Dollar nach der Herabstufung gegenüber dem Euro behauptet. Nach allgemeiner Lesart ist die Stützung des Dollar durch eine steigende Risikoaversion, die Schliessung von Carry Trades und die Dollar-Knappheit derzeit stärker als die Effekte aus möglichen Mittelabflüssen. An den Terminbörsen zeigen sich die Schwellenländer-Währungen bis Ende dieser Woche relativ widerstandsfähig, weil die Schwellenländer-Fundamentaldaten vergleichsweise solide sind. Nach unserem Dafürhalten kommen die Schwellenländer-Währungsrisiken vor allem aus den entwickelten Märkten und Rohstoffen. Aber natürlich wirken sich Panik an den Märkten, steigende Risikoaversion und kurzfristige Dollar-Knappheit negativ auf die Schwellenländer-Währungen aus. Daher dürften diese unseres Erachtens gegenüber dem Dollar an Boden verlieren, solange die Marktturbulenzen anhalten.

Welche Entwicklung erwarten Sie kurzfristig bei Schwellenländer-Staatsanleihenspreads
Aus den genannten Gründen dürften die Spreads von Schwellenländer-Staatsanleihen weiter steigen. Wer Risiken senken will, verkauft Schwellenländer-Staatsanleihen. Längerfristig sollten die Schwellenländer von ihrem niedrigeren Schuldenniveau profitieren, aber während einer Marktpanik werden Schwellenländer als hoch riskant eingestuft.

Wie waren Sie vor dem Downgrade im Hinblick auf Staatsanleihenzinsen und Credit Spread Duration positioniert? Werden Sie Veränderungen vornehmen, und wenn ja welche?
Wir haben bereits zu Beginn des Sommers etwas Risiko aus unseren Credit-Positionen herausgenommen und unsere Übergewichtung zu einer neutralen Position reduziert. Für August senken wir das Engagement weiter zu einer Untergewichtung. Selbstverständlich vergrössert die US-Herabstufung die Unsicherheit, aber die schwachen Wirtschaftsdaten besonders in den USA sowie die europäische Schuldenkrise beunruhigen uns am stärksten. S&P sagte kürzlich, dass die Herabstufung der US-Staatsanleihen nicht zu Herabstufungen von US-Universalbanken führt.

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