„Der Erfolg von Small Caps hat mich nicht überrascht“

Chuck Royce, CEO und Portfolio Manager der Legg Mason Tochtergesellschaft Royce & Associates
Chuck Royce, CEO und Portfolio Manager der Legg Mason Tochtergesellschaft Royce & Associates

Chuck Royce, CEO und Portfolio Manager der Legg Mason Tochtergesellschaft Royce & Associates, erklärt, warum er auch nach über 40 Jahren noch bullish ist für das Segment der Small-Cap-Aktien und warum er einen aktiven Investment-Ansatz bevorzugt.

28.07.2014, 08:30 Uhr

Redaktion: dab

Sind Sie noch immer der Ansicht, dass aktives Management im Small-Cap-Bereich Sinn macht?
Chuck Royce: Absolut. Ich bin sogar noch mehr überzeugt als bisher. Auch wenn wir schon seit vielen Jahren vehemente Verfechter des aktiven Managements sind, so sehen wir seit rund 14 Monaten, als die 10-Jahres US-Treasuries ihren Tiefpunkt erreicht hatten, dass ein aktiver Ansatz vor allem für langfristige Investoren im Small-Cap-Segment viel Sinn macht. Seit dem Tief im Mai 2013 haben wir den Eindruck, dass die Fundamentaldaten von Unternehmen bedeutender werden und einen signifikanten Einfluss auf die Aktienpreisentwicklung haben. Wir verfolgen allerdings einen anderen Ansatz als in einen Small-Cap-Index zu investieren, in welchem 25% der Unternehmen Geld verlieren. Vielmehr suchen wir nach gut geführten, finanzstarken Unternehmen mit attraktiven langfristigen Prognosen.

Glauben Sie, dass die Dominanz von Aktien mit tiefer Qualität zu Ende ist?
Ja, dies trifft mehrheitlich zu. Ich glaube, dass wir nun eine Marktphase vor uns haben, die von Qualitätstiteln getragen wird – also von Unternehmen mit soliden Bilanzen und hohen Renditen in Relation zum investierten Kapital. Sie haben auch das Feld während der kurzen Korrektur nach dem Small-Cap-Hoch angeführt, das am 4. März geendet hat. Sie zeigten zwar nicht so viel Stärke im Mai und Juni, als die Märkte sich erholten, aber sie haben sich so gut entwickelt, so dass sie das Marktsegment der Small Caps zwischen Anfang März und Ende Juni anführten. Ich erwarte, dass sich dieses Muster bis Ende Jahr fortsetzen wird – vor allem vor dem Hintergrund, dass sich die Märkte an die zunehmende Normalisierung der Wirtschaft anpassen und an Momentum gewinnen werden.

Warum haben Large- und Mid-Caps das Segment der Small Caps seit Anfang 2014 geschlagen?
Erstens denke ich, dass der Mid-Cap-Bereich über einige wundervolle, fundamental gesunde Unternehmen verfügt, die über die letzten Jahre hinweg konstantes Wachstum gezeigt haben. Der Erfolg dieser Anlageklasse über die ganze Nach-Finanzkrisenzeit hinweg hat mich nicht überrascht. Die Anlageklasse interessiert uns deshalb schon seit längerer Zeit.

Large-Caps wiederum umfassen die bekanntesten, stabilsten Unternehmen der Welt. Das Small- und Micro-Cap-Segment hingegen enthält eine stattliche Anzahl hochspekulativer Unternehmen, die typischerweise viel volatiler sind; oftmals sogar sehr viel volatiler wie im Falle von Micro-Caps. Aber auch sie hatten in den letzten Jahren starke Zeiten. Sowohl die Drei- als auch die Fünfjahres-Performance des Russell 2000 und des Russell Microcap Indexes sind auf einer absoluten Basis äusserst beeindruckend. Seit Anfang 2014 agieren Aktieninvestoren jedoch vorsichtiger, so dass die Verschnaufpause der Small- und Micro-Caps nicht weiter überraschte. Ich sollte zudem erwähnen, dass wir immer auch versuchen, die Volatilität des Small-Cap-Marktes zu unserem Vorteil zu nutzen. Wir haben diese nie als negativ betrachtet, hat sie uns doch dabei geholfen, über Jahre hinaus grossartige Opportunitäten zu finden.

Rechnen Sie mit einer Korrektur vor Ende des Jahres?
Dies ist schwer zu sagen – Korrekturen können jederzeit erfolgen und wir haben schon seit einiger Zeit nichts Signifikantes mehr verzeichnet. Der letzte Rückschlag des Russell 2000 von über 10% ereignete sich im Herbst 2012 und anfangs dieses Jahres registrierten wir einen lediglich milden Rückgang – der Russell 2000 verlor dabei seit seinem Interim-Höchst am 4. März bis zum 15. Mai 9.1%. Da sich die Aktienpreise aber sehr schnell erholten, ist von diesem Rückschlag nichts mehr zu spüren.

Man könnte also argumentieren, dass nun Zeit wäre für einen grösseren Rückgang, aber mein Gefühl sagt mir, dass ein moderater Verlust zwischen 5% und 10% viel wahrscheinlicher ist; dies vor dem Hintergrund eines Rückschlags der Wirtschaft, die durch ein schnelles Wachstum vergiftet zu sein scheint. Zudem ist es mehr eine Frage des „wanns“ als eine des „obs“, dass das Zinsumfeld steigen wird. Alle diese Faktoren tragen dazu bei, dass die Voraussetzungen für Aktien positiv sind. Ich bin deshalb für die Anlageklasse eher zuversichtlich eingestellt. Ich könnte mir vorstellen, dass das zweite Halbjahr für Aktien in Bezug auf die Gesamtrendite ähnlich verlaufen könnte wie das erste. Die Bewertungen sind insgesamt hoch, aber es gibt dennoch genügen Möglichkeiten, um die Renditen bis Ende 2014 im positiven Bereich zu halten.

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