Aktienmarkt Europa: Anlageideen und Erfolgsfaktoren für 2013!

Niall Gallagher, Investment Director bei GAM und Manager der Fonds GAM Star European Equity und GAM Star Continental European Equity
Niall Gallagher, Investment Director bei GAM und Manager der Fonds GAM Star European Equity und GAM Star Continental European Equity

Niall Gallagher, Investment Director bei GAM, spricht darüber, welche Erfolgsfaktoren wichtig sind, um in einem unsicheren (europäischen) Marktumfeld eine attraktive Performance zu erzielen.

13.02.2013, 08:00 Uhr

Redaktion: cwe

Herr Gallagher, GAM Star Continental European Equity erreichte einen Wertzuwachs von mehr als 30% im Jahr 2012 und war der beste Fonds im Segment „kontinentaleuropäische Aktien“. Was waren die wesentlichen Treiber der Outperformance?

In der Tat war 2012 ein erfolgreiches Jahr für beide GAM Fonds – GAM Star Continental European Equity erzielte eine Jahresperformance von 34%, während GAM Star European Equity 29% (jeweils Euro-Währungsklasse) an Wert zulegte. Die Wertentwicklung der Fonds lässt sich auf die gute Performance einer Vielzahl an Titeln zurückführen, von denen kein Einzelner dominierte. Über das Jahr gesehen legten viele um 50–80% zu. GAM Star Continental European Equity profitierte vom erfreulichen Aktienpreisanstieg verschiedener unserer Kerntitel. Dazu zählten Inditex, Wirecard, Continental, Paddy Power, Erste Bank, SGS, AB Inbey, TGS Nopec, Henkel, Swatch, Kone, Schindler, Ryanair, Fresenius, Atlas Copco und BASF.

Der Appetit der Investoren nach Anlagen in europäische Aktien bleibt wegen der laufenden Krise in der Eurozone eher klein. Müssen Unternehmen der PIIGS-Staaten einen Länderabschlag in Kauf nehmen, bis die Krise vorbei ist?

Für Anleger, die auf Fundamentaldaten setzen, geht es im Grunde genommen nicht um die Entscheidung zwischen Nordeuropa und der europäischen Peripherie: Bei vielen der europäischen Titel, die wir in unserem Portfolio halten – von deutschen Titeln bis zu Werten aus den sogenannten „PIIGS“-Ländern (Portugal, Italien, Irland, Griechenland, Spanien) – handelt es sich um global ausgerichtete Unternehmen, deren Gewinne vom Erfolg in den weltweiten Märkten abhängen, in denen sie tätig sind. Die Aussichten für einen Wertzuwachs der entsprechenden Aktien beruhen also auf langfristig erfolgreichen Geschäftsstrategien in diesen Ländern. Genau aus diesem Grund haben wir die PIIGS-Märkte in den vergangenen Jahren kontinuierlich übergewichtet, da wir in diesen Ländern zahlreiche erstklassige Unternehmen, wie z. B. Inditex, finden. Die Strukturierung eines Investmentportfolios anhand einer Ländergewichtung ist heutzutage aufgrund der Globalisierung der Märkte nicht mehr sinnvoll, da die Geschäftstätigkeit vieler Unternehmen weit über das Land hinausgeht, in dem ihre Aktien notiert sind.

Wenn wir allerdings fragen: „Müssen Aktien einen Länderabschlag hinnehmen, weil sie in den Peripheriestaaten ansässig und an den dortigen Börsen notiert sind?“, dann lautet unsere Antwort „nein“. Dies mag Anfang 2012 noch der Fall gewesen sein, aber mittlerweile hat die Kursentwicklung vieler in den Peripheriestaaten notierter Unternehmen, darunter Inditex, Paddy Power, Ryanair, Kingspan und Amadeus, die Argumente für eine solche Position entkräftet. Unternehmen, die letztes Jahr eine gute Geschäftsentwicklung verzeichnet haben, können dies zumeist auch an ihrer Kursentwicklung ablesen – unabhängig davon, in welchem europäischen Markt sie notiert sind. Daran wird sich auch 2013 nichts ändern.

Ihr Portfolio hat eine starke Ausrichtung auf Konsumwerte. Werden Sie diese Tendenz beibehalten?

Unsere Konzentration auf die Bewertung der von uns erworbenen Titel bedeutet, dass wir bei der Sektor- und Ländergewichtung weder Einschränkungen unterworfen sind, noch eine gezielte Auswahl nach diesen Kriterien treffen. Dennoch ist ein Grossteil des Fonds aufgrund unserer Analysekriterien weiterhin in Titel aus den Sektoren Konsumgüter, Industrie, Gesundheit und Technologie investiert. Auf der Basis unseres Bottom-Up-Auswahlprozesses kann sich die derzeitige Übergewichtung der Konsumgüter jedoch verringern, falls sich die zugrundeliegenden Fundamentaldaten dieser Titel entsprechend ändern sollten.

Welche Anforderungen müssen Titel erfüllen, damit Sie diese ins Portfolio aufnehmen?

Unsere Titelwahl erfolgt mittels eines fundamentalen Bottom-Up-Ansatzes ohne Index-Einschränkungen. Unser Ziel ist es, uns einen Informationsvorteil zu verschaffen und das Geschäftsumfeld der Portfoliopositionen bis ins kleinste Detail zu verstehen. Dies erreichen wir durch permanente Analysen der Unternehmen, durch Treffen mit dem Management, mit Industrieexperten, Mitbewerbern, sowie mit Zulieferern und Geldgebern.

Jeder scheint momentan Dividendentitel zu favorisieren. Ist das der Trend für konservative Anleger fürs 2013?

Dividendenzahlungen spiegeln zum einen die Strategie eines Unternehmens wider, wie es seine Eigentümer am Unternehmenserfolg beteiligen möchte, und zum anderen auch dessen Bewertung. Sie sollten allerdings nicht als Hauptkriterium einer Aktienauswahl gelten. Unter Umständen können hohe Dividendenrenditen sogar täuschend wirken und Investoren in eine Bewertungsfalle führen, so geschehen 2012 bei den Aktien im Telekom-Sektor. Konservative Anleger sollten daher den Fokus eher auf Unternehmen richten, die über eine solide Bilanz, hohe Kapitalrenditen sowie gute Cashflow-Generierung verfügen. In der Schweiz gibt es dafür einige Paradebeispiele zu derzeit attraktiven Preisen, wie etwa Schindler, SGS und Roche.

Nachdem die Anzahl der positiven Einschätzungen angestiegen sind, welches Potenzial sehen Sie in europäischen Aktien für das Jahr 2013?

Der Ausblick für das kommende Jahr ist fundamental positiv. Die Bewertungen europäischer Aktien sind zwar verglichen mit Anfang 2012 höher, liegen jedoch weiterhin unter dem Median der vergangenen 30 Jahre. Dies gilt selbst dann, wenn der Finanzsektor, für den wir anhaltende Schwierigkeiten voraussehen, nicht berücksichtigt wird. Gemäss der CAPE-Kennzahl nach Shiller (Cyclically Adjusted Price Earnings Ratio, konjunkturbereinigtes Kurs/Gewinnverhältnis) notieren darüber hinaus europäische Titel auf Basis der Berechnungen von Morgan Stanley weiterhin nahe einem Rekord-Abschlag von ca. 33 Prozent gegenüber den USA. Bemerkenswert sind zudem die Bewertungsunterschiede zwischen Aktien und Unternehmensanleihen in Europa, wo das Verhältnis der Dividendenrenditen zu den Renditen der Unternehmensanleihen eine Rekordhöhe erreicht hat. Verdeutlicht wird dies durch die Tatsache, dass liquiditätsstarke Unternehmen – darunter einige, die wir in unserem Portfolio halten – die historisch niedrigen Renditen nutzen, um Anleihen auszugeben und die Erlöse ihrer Emissionstätigkeit für den Rückkauf ihrer eigenen Aktien verwenden.

Das Wirtschaftswachstum in Europa dürfte auf einem niedrigen Niveau bleiben. Konzentrieren Siesich daher nun mehr auf Unternehmen mit starker Präsenz in den Emerging Markets?

Im Allgemeinen investieren wir in einen vielseitigen Mix aus Unternehmen, die wir als Wachstumstitel einschätzen – sowohl zyklische als auch anti-zyklische Unternehmen mit beständigen Aussichten, soliden Bilanzen und gutem Cashflow. Dennoch ist es wichtig zu verstehen, dass die Unternehmenserträge, die ausserhalb Europas generiert werden, während der letzten 20 Jahre ständig zugenommen haben und über die kommenden Jahre noch zunehmen werden. Diese Ertrags-Globalisierung wurde vor allem durch die Schwellenländer vorangetrieben und damit sind europäische Unternehmen nun wirklich global aktiv.

Die Brauerei Anheuser-Busch InBev zum Beispiel erzielt einen riesigen Anteil ihrer Erträge in Nord- und Südamerika, Swatch verkauft annähernd die Hälfte seiner Uhren an chinesische Kunden, und die Aufzugsunternehmen Kone und Schindler sind derzeit hauptsächlich im chinesischen Markt und anderen aufstrebenden Märkten engagiert, wo ein langfristiger Urbanisierungstrend die kontinuierlichen Investitionen in Wohneigentum unterstützt.

Welches sind Ihre drei Top-Aktien im 2013?

Schindler: Das Unternehmen hat gute Wachstumsaussichten, verfügt über das Potential seine operativen Margen über die kommenden Jahre substanziell zu erhöhen, und erwirtschaftet erhebliche Mengen an Cash. Die Bilanz ist ausgesprochen solide und wir erachten den Aktienkurs als sehr attraktiv bewertet, weshalb dieser Titel derzeit auch unsere grösste Position ausmacht.

BG Group: Dieser Titel hatte 2012 (ungewohnterweise) schwach abgeschnitten, was auf eine Reihe kleinerer Rückschläge und damit verbundenen, kurzfristig schwächeren Ertragsaussichten zurückzuführen ist. Die Aussichten auf eine mittelfristige Förderzunahme der Öl- und Gasreserven in Brasilien, Australien und Afrika sind ausgezeichnet, die Aktie ist zudem sehr günstig bewertet.

Ryanair: Trotz der sehr guten Wertentwicklung 2012 bleibt die Aktie stark unterbewertet. Steigende durchschnittliche Flugpreise, ein stabilerer Ölpreis sowie ein sehr hohes Cashflow-Niveau, kombiniert mit einer starken Bilanz, machen diesen Titel attraktiv. Wenn man dem CEO Glauben schenken darf, „wird der Cash-Bestand innerhalb der Bilanz in ungeahnte Höhen steigen“.

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